2001 Vesterålen und Lofoten

Nach den Jahren 1997 bis 2000, die wir ausschließlich im Süden Norwegens verbrachten, wollten wir nun endlich mal etwas Zeit auf den Vesterålen und Lofoten verbringen.
Um eventuellen Engpässen bei der suche nach Campinghütten auszuweichen, entschloß ich mich auf den Inseln Ferienhäuser zu buchen. Und zwar eine Woche in Stø auf den Vesterålen und zwei Wochen in Tjønndal auf den Lofoten.
Der Vorteil hierbei war, dass wir unsere Tages- und Nachttouren durchführen konnten ohne immer wieder neue Hütten zu suchen und außerdem hatten wir in den Häusern einen gewissen Komfort und Platz den uns eine Campinghütte nicht bieten kann. Auch das dauernde ein und auspacken entfiel, so das wir uns voll auf die geplanten Touren konzentrieren konnten.
Bei der Anreise Mitte Juni hatten wir auf der E3 und E6 keine Probleme freie Hütten für die Zwischenübernachtung zu finden, was jedoch bei der Rückreise Mitte Juli schon etwas schwieriger war.
Hier mussten wir teilweise Leilighetter (Apartments) mieten, welche pro Nacht etwa zweihundert Kronen über den Hüttenpreisen lagen.


Routenverlauf Anreise:
Abfahrt von Bremen am 20.06.01 um 24,00 Uhr, Ankunft in Frederikshaven/DK am 21.06.01 um 5,30 Uhr.
Um 9,00 Uhr sollte die Fähre, "Stena Saga" ablegen, was allerdings durch Schweißarbeiten an der Ladeluke etwas verzögert wurde. Es gab uns allerdings ein Gefühl von Sicherheit, das wir diese Luke unterwegs nicht verlieren würden.
Nach dem wir dann um kurz nach 9,00 verladen wurden mußten wir allerdings noch bis 10,00 Uhr warten, ehe wir unseren Kabinenschlüssel bekommen konnten. Aber dafür mußten wir die Kabine dann auch erst zwei Stunden vor der Ankunft in Oslo wieder räumen. Was uns aber wohl am meisten ärgerte, war die Tatsache das wir nach der Nachtfahrt gerne gefrühstückt hätten, aber an Bord war zu dieser Zeit weder etwas zu essen noch eine Tasse Kaffee erhältlich. Gegen Mittag gab es dann ein Paar Hot Dogs im Imbiß auf Deck, die wir bei strahlendem Sonnenschein genossen, da wir für das angebotene Mittagsmenue, für 260 Kronen pro Person nicht genügend Appetit hatten. Etwas Schlaf nachzuholen war durch die dauernden Borddurchsagen wegen der Sicherheitshinweise und den Öffnungszeiten der Shops auch nicht richtig möglich. Die Kabine war bei der Tagesfahrt wohl hauptsächlich zum Duschen und zum Gepäck abstellen gedacht. Nach dem wir am Abend mit etwa 45 min. Verspätung in Oslo angelegt hatten, waren wir beim entladen der Fähre mal wieder so ziemlich die letzten die von Bord durften und obwohl niemand unsere Ausweise sehen wollte hielt der Zoll die Fahrzeugkolonne etwas mehr auf als gewohnt und mein geplantes Tagesziel von noch etwa 300 km schien in weite Ferne zu rücken. Als wir dann endlich das Fährterminal verlassen durften, ging es zügig die E6 gen Norden, immer auf der Hut vor Geschwindigkeitskontrollen. Von denen gab es an diesem Abend reichlich und kurz nach Oslo zusätzlich eine groß angelegte Verkehrskontrolle. Da der Parkplatz aber schon mit ca. 25 Fahrzeugen gut gefüllt war hat uns die Polizei freundlicherweise durch gewunken.

Bei Stange bogen wir dann auf die E3 Richtung Elverum ab und folgten der Straße an zwei weiteren Geschwindigkeitskontrollen vorbei bis Alvdal, nach nun doch noch erreichten 295 km nahmen wir uns gegen 22,00 Uhr eine Hütte.
Am 22.6. ging es schon um 5,00 Uhr weiter. Wir hatten in der Hütte noch Kaffee und Tee gekocht und frühstückten dann, nach dem wir bei Ulsberg wieder auf die E6 stießen kurz vor Trondheim auf einem Rastplatz. Für Trondheim nahmen wir uns etwa zwei Stunden Zeit und machten einen kleinen Rundgang um den Dom und den Nidelven.
Wir folgten weitere 760 km der E6 bis Krogstrand Camping, kurz vor dem Polarkreis. Wo wir gegen 20,00 Uhr ankamen.
Am 23.6. ging es übers Polarkreiszentrum, an dem es morgens um 8,30 Uhr noch recht ruhig war, weiter bis zur Fähre nach Bognes. Hier kamen wir um 13,30 Uhr an und bekamen einen Platz auf der Fähre um 14,15 Uhr.
Nach Ankunft in Løding um 15,15 Uhr ging es weiter bis zu unserem ersten Ferienhaus in Stø auf den Vesterålen. Ankunft war gegen 17,00 Uhr nach weiteren 385 gefahrenen Kilometern.

Das Haus war absolute Spitze !
Top Lage, 15 m vom Meer und eine sehr schöne liebevolle Einrichtung, die man sonst nur in privat genutzten Häusern findet. Mit ca. 120 qm war das Haus sehr groß und hatte eine sehr gute Ausstattung mit Geräten die wir in unseren bisherigen Norwegenurlauben nie hatten. Von der Badewanne bis zur Spülmaschine war alles vorhanden und der Preis von DM 1100,00 war durchaus angemessen.
Abends beobachteten wir die Mitsommernachtsfeuer und bewunderten die Mitternachtssonne. Schon nach wenigen Stunden hatten wir unser Zeitgefühl verloren und wurden meist erst gegen 23,00 Uhr richtig munter und unternehmungslustig.
In den folgenden Tagen unserer ersten Urlaubswoche machten wir Wanderungen auf die umliegenden Berge, Autotouren um die Inseln und ich ging natürlich auf die Waltour, auf die ich mich so lange gefreut hatte.

Irgendwie hatte ich mir aber den falschen Tag raus gesucht, nach dem in den ersten beiden Tagen nach unserer Ankunft keine Wale gesichtet wurden, aber wenigstens nur geringer Wind herrschte fuhr ich dann am 25.6.01 voller Hoffnung hinaus, bei Windstärke 6-7 eine wirklich unvergeßliche Tour. Bereits kurz nach dem Verlassen des Hafens schlugen die ersten Wellen über das Schiff und wir bekamen alle reichlich Wasser ab.
Nach dem passieren der Insel Anda Fyr, auf der u.a. Papageientaucher und Seeadler nisten, dauerte es nur etwa eine halbe Stunde bis die ersten Gäste anfingen Tüten zu füllen. Nach etwa 2 1/2 Stunden konnte ich den Würgegeräuschen auch nicht mehr widerstehen und wurde zum ersten mal in meinem Leben seekrank.
Als wir dann im Zielgebiet angekommen waren erschienen zwar nicht die erhofften Pottwale, aber immerhin einige Grindwale und Delphine.
Sofort erwachte mein Jagdinstinkt und die Tüten waren vergessen.
Mit einer Hand und auch manchmal mit dem einklemmen eines Fußes versuchte ich mich auf dem schaukelnden Kahn festzuhalten und gleichzeitig zu fotografieren. Es war nicht leicht, aber auch nicht ganz erfolglos wie ein Blick in meine Fotoalben beweist.
Die Rückfahrt der insgesamt 8 stündigen Tour verlief durch den Wind den wir nun im Rücken hatten etwas ruhiger und wir konnten alle wieder Nahrung zu uns nehmen. Trotzdem war ich in Versuchung geraten beim anlegen des Schiffes den Boden zu küssen, aber das wollte ich dann doch dem alten Mann im Vatikan überlassen, der hat darin mehr Übung.
Ein nettes Ereignis war das Treffen mit Hans und Regina aus Wüstenroth, die wir als Gäste auf dieser Website hatten und mit denen wir uns dann per SMS auf den Vesterålen verabredet hatten. Die beiden gingen an unserem Abreisetag von Stø auf die Walsafari und hatten auch das Glück nicht nur Tüten, sondern auch Pottwale zu sehen.

Mehr über Stø, Nyksund, Andøya und Langøya gibt es auf der Vesterålen Seite

Nach der Woche auf den Vesterålen ging es auf die Lofoten, wo wir in Tjønndal bei Vallberg ein Ferienhaus in den Bergen gemietet hatten.
Mit der Fähre von Melbu nach Fiskebøl und da wir jede Menge Zeit hatten nicht gleich mit den anderen Touristenmassen über die E10, sondern an der Nordwestseite Ausvagøys entlang über Strønstad, Morfjord, Laukvik ließen wir die Natur auf uns wirken und entflohen dem Verkehrsstrom der E10.
Kurz nach dem Einbiegen auf diese Nebenstrecke kam uns ein deutscher Tourist in einem Daimler entgegen und gab mir Zeichen anzuhalten, er warnte uns davor diese Strecke zu befahren, weil es hier keine asphaltierte
Straße gebe und er soeben einen Stein an seinen Wagen bekommen hatte.
Als ich ihm sagte das ich diese Strecke fahren wolle und ich die nicht asphaltierten Straßen bevorzuge schüttelte er nur den Kopf und fuhr davon. Die Strecke ist landschaftlich wunderschön und sogar der Linienbus fährt hier entlang, also gar kein Problem für einen PKW oder auch für Wohnmobile.
Am frühen Nachmittag erreichten wir dann unser Ferienhaus und waren doch etwas geschockt, nach dem tollen Haus in Stø standen wir nun vor einem Haus, dessen Foto im Katalog und auch im Internet schon vor vielen Jahren entstanden sein mußte.
An der Fassade war kaum noch Farbe und alleine die Zufahrt zu dem Haus ließ selbst mich um meinen Wagen fürchten. Ein steiler Sandweg führte hoch ins Tal, von einigen Schafgattern (Ferrist) und vielen tiefen Schlaglöchern gekennzeichnet. Hier war jedesmal slalomfahren angesagt um mit dem Wagen nicht aufzusetzen. Aber gerade diese rustikalen Teile Norwegens gefallen mir eigentlich besonders gut und deshalb war der Weg eigentlich mehr Abenteuer als Ärgernis.
Das Haus allerdings war sehr spärlich eingerichtet und hatte für 90 qm auf zwei Etagen gerade mal eine einzige (sehr) kleine elektrische Heizung. Bei unserer Ankunft waren es nur ca. 8°C und das Haus war wohl schon länger nicht bewohnt und eiskalt. Glücklicherweise gab es einen Kaminofen und noch einige Holzreste, so das wir es im Haus innerhalb weniger Stunden auf fast 16°C brachten. Nach dem Wochenende suchten wir erst einmal einen Laden, bei dem wir Brennholz erstehen konnten. Dies gestaltete sich allerdings als etwas schwierig. Kein Baumarkt und keine Tankstelle hatten Holz und es konnte uns hier auch keiner eine entsprechende Adresse nennen. Also gingen wir zur Touristinformation nach Svolvær und fragten dort nach. Die Dame war sehr hilfsbereit und schon nach sechs Telefonaten hatte Sie eine Adresse in Kabelvåg, bei der wir Holz kaufen konnten. Nach dem wir nun reichlich Holz in der Hütte hatten, stiegen natürlich auch die Temperaturen und wir hatten es dann doch noch sehr gemütlich im Haus. Einziges echtes Ärgernis war das "Trinkwasser",
dieses war etwas bräunlich und roch sehr unangenehm, so das wir uns Wasser von den Versorgungsstellen für Wohnmobile besorgten um für Kaffee, Tee und zum Kochen keine gesundheitlichen Risiken einzugehen.

Das Gebiet um das Haus war ein toller Ausgangspunkt für Bergwanderungen, bei denen wir die Mitternachtssonne mal aus einer anderen Perspektive als vom Strand erlebten.
Neben Wanderungen machten wir natürlich reichlich Autotouren rund um alle Inseln der Lofoten und südlichen Vesterålen.
Die Einzelheiten über die Inseln, Vagan, Vestvagøy, Gimsøy, Flakstadøy, Moskenesøy sowie den Rafsund und Trollfjord gibt es auf den Lofoten Seiten.

Das Haus das wir bis zum 14.07. gemietet hatten und für das wir DM 1150,00 für zwei Wochen bezahlt hatten, verließen wir am 12.07. und fuhren mit der Fähre von Svolvær nach Skutvik um auf der Rückfahrt noch etwas mehr Zeit zu haben.
Inzwischen war auf der E6 die Hauptsaison in vollem Gange und wir konnten noch ein letztes Apartment kurz vor Mo i Rana mieten, sehr schön aber auch etwas teurer als geplant.
Am 13.07. machten wir eine Besichtigung der Grønligrotte, die uns sehr gut gefiel und anschließend fuhren wir mit dem Boot über den Svartisvatnet und begannen den Aufstieg zum Østerdalsisen, einem Teil des Svartissen Gletschers. Beim Aufstieg hatten wir herrlichen Sonnenschein und nach einer guten Stunde hatten wir den Gletscher erreicht. Fasziniert blieben wir über zwei Stunden und lauschten dem Geräusch des krachenden Eises und warteten darauf, das wir ein Bild vom Kalben des Gletschers machen konnten, der direkt in einen kleinen See mit zahlreichen Eisschollen mündet.
Einige kleinere Abbrüche des Eises konnten wir dabei auch beobachten und am Nachmittag machten wir uns dann auf den Rückweg um das letzte Boot noch zu erreichen. Auf dem Rückweg kamen wir in ein heftiges Gewitter und wurden trotz Gorekleidung und Schuhen, klatschnaß.
Aber auch das war irgendwie ein schönes Erlebnis im Angesicht des Gletschers und der Wasserfälle diese Naturgewalt zu erleben. Unterwegs kam dann auch wieder die Sonne zum Vorschein und bis wir am Boot waren, war unsere Kleidung schon wieder trocken. Die auf der weiteren Rückfahrt geplante Minikreuzfahrt mit der Hurtigrute, von Brønoysund nach Rørvik und zurück viel dann allerdings wegen starkem Regen aus und so erholten wir uns im "Höhlenhallenbad", "Oasen" in Namsos ein wenig von den Strapazen des Urlaubs. Nach einer Nacht in einer Hütte in Namsos fuhren wir am nächsten Tag bei starkem Regen bis kurz vor Lillehammer und von dort am nächsten Tag bei schönem Wetter bis Oslo.
Hier nahmen wir uns für die letzte Nacht ein Zimmer im Frogner Hotel und erlebten zum Ende des Urlaubs den Großstadtstress von Oslo.
Nach fast vier Wochen im Norden Norwegens war es schon sehr hart nun in einer solchen Stadt zurechtzukommen. Die 1 1/2 Tage die wir noch hatten reichten dann auch nicht um uns alles in Oslo anzusehen was wir vorhatten, aber es war trotzdem interessant. Die Festung Akershus, das Storting, das Schloß, den Vigelandpark und den Holmenkollen waren dann auch reichlich Programm und die anderen Sehenswürdigkeiten müssen warten, bis wir wiederkommen.
Insgesamt waren es wunderschöne und unvergeßliche Tage in Norwegen und wir werden bestimmt wiederkommen.

Insgesamt fuhren wir bei dieser Tour 6798 km.

Zu einigen Stationen unserer Rückreise gibt es weiter Informationen und Eindrücke auf den regionalen Seiten.

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