Nyksund
Nyksund ist keine Geisterstadt mehr !
Noch heute wird über Nyksund, dem an der Außenseite von Langöya gelegenen historischen Fischerdorf oft fälschlicherweise als Geisterstadt berichtet.
Dabei ist Nyksund längst wieder ein Ort in dem das Leben wieder erwacht ist.
Der erste Eindruck den die zum Teil noch verfallenen Häuser erwecken täuscht über das hinweg was hier geschieht.
Nyksund war einer der größten Fischerorte auf den Vesterålen und hatte 200 Einwohner die sich zu Zeiten des Fischfangs auf ca. 900 erhöhten. 1977 verließen die letzten Einwohner den Ort, aber heute sind einige zurückgekommen und Nyksund erlebt einen neuen Aufschwung als Urlaubsort.
Heute hat Nyksund 7 feste Einwohner, zu denen auch Karl H. Nickel und Ssemion Gerlitz gehören.
Karl betreibt die Holmvik-Brygge, ein Gästehaus aus dem 19.Jahrhundert und Ssemjon den Nyksund Landhandel in dem es Waren für den täglichen Bedarf gibt. Diese und andere Bewohner arbeiten daran Nyksund vom Ruf der Geisterstadt zu befreien.
Wer den Ort besucht sieht auf den ersten Blick wieviel Arbeit hier noch zu leisten ist und wer handwerklich begabt ist kann hier bei freier Kost und Logie beim Aufbau der Häuser mithelfen und bei einem Arbeitsurlaub gleichzeitig die Wunderbare Natur und die Gastfreundschaft genießen.

Alle Häuser und Grundstücke in Nyksund haben Besitzer, auch wenn dies nicht immer gleich erkenntlich ist und einige Norweger haben hier ihr Ferienhaus.
Ein großes Problem sind deshalb Touristen, die glauben das Nyksund noch immer eine Geisterstadt ist und Gegenstände aus Vorgärten stehlen und manchmal sogar Häuser aufbrechen um ein Souvenier zu erstehen.

Am 23.12.01 bekam ich die Nachricht das Karl-Heinz Nickel bei arbeiten an einer Wasserleitung verschüttet wurde und verstarb.
Nyksund verliert einen, dem Wiederaufbau sehr angagierten Mann und ich hoffe das man Karl-Heinz in Nyksund nicht vergessen wird.


Nach neuesten Informationen vom 6.01.02 wurde mir mittgeteilt, das der Wiederaufbau im Sinne von Karl-Heinz Nickel weiter geführt wird.

Informationen zu Nyksund findet ihr im Internett

Holmvik-Brygge www.nyksund.com

Landhandel www.landhandel-nyksund.com

Arbeiten in Nyksund www.faaev.de







Einer der Bewohner Nyksunds ist der deutsche Ssemjon Gerlitz.
Ssemjon ist 29 Jahre alt, kommt aus Hilden bei Düsseldorf und hat nach einem abgebrochenen Studium als Bauingenieur eine Ausbildung als Elektriker absolviert, bevor er sich entschloß nach Nyksund auszuwandern, wo er heute den Nyksund Landhandel betreibt. Einen kleinen Laden für die Waren des täglichen Bedarfs

Vom auswandern hat Ssemjon schon in den zahlreichen Norwegen Urlauben geträumt, wurde aber nie so richtig aktiv. Nach weiteren Touren in den Norden Norwegens auch im Winter lernte Ssemjon dann auch die Gegend der Vesterålen und den Ort Nyksund kennen.
Ausschlaggebend für den Entschluß nach Nyksund zu gehen waren dann Ssemjons Schwester, die in Narvik als Ärztin arbeitet und Karl-H. Nickel der bereits einige Jahre vorher nach Nyksund kam und heute die "Holmvik Brygge" bewirtschaftet.
Es ergab sich die Möglichkeit hier ein Haus zu erwerben und nach dem sich Ssemjon Sylvester 1997 alles angesehen hatte reiste er nach Abschluß seiner Ausbildung direkt nach Nyksund.

Hier einige Fragen an Ssemjon:

Frage: Wie hast Du norwegisch gelernt ?

Ssemjon:
Ich hatte zuerst einen Aushang an der Uni in Essen gemacht, das ich einen Lehrer suche, worauf sich eine norwegische Studentin gemeldet hat.
Hier in Øksnes auf den Vesterålen gibt es gratis Unterricht für Ausländer, wie eigentlich in ganz Norwegen. Meine Schwester war zusätzlich 6 Wochen in Oslo zum Intensivunterricht.

Frage: Wie wurdet ihr von der norwegischen Bevölkerung aufgenommen ?

Ssemjon:
Eigentlich recht positiv. Wenn die Leute sehen, daß man interessiert ist, sich auch integrieren möchte und die Sprache spricht, geht es eigentlich ganz leicht.

Frage: Wie ist die Gemeinschaft in einen Ort wie Nyksund ?

Ssemjon:
Nyksund ist eine Ort für Individualisten. Dennoch gibt es einen guten Austausch und wenn jemand Hilfe braucht ist jeder für jeden da.

Frage: Wie viele Norweger haben denn in Nyksund ihr Ferienhaus und wie ist das Verhältnis zu ihnen ?

Ssemjon:
Zu den Leuten die ich kenne habe ich eigentlich einen recht guten Kontakt und die Leute freuen sich auch darüber was mit Nyksund geschieht.
Näheres hierzu wird Kalle demnächst berichten.

Frage: Kommen viele freiwillige Helfer um beim Aufbau des Ortes mitzuarbeiten?

Wir machen nur so viel Werbung, wie viele Helfer wir brauchen, das Interesse ist groß und es melden sich immer reichlich Leute.

Frage: Woher kommen die Helfer und wie lange bleiben sie in Nyksund ?

Ssemjon:
Momentan kommen die meisten aus Deutschland und Frankreich und bleiben zwischen 1 und 8 Wochen.

Frage: Kommen auch welche außerhalb der Sommersaison ?

Ssemjon:
Ja und das macht am meisten Spaß. In der Sommersaison muß Geld verdient werden -sprich Streß pur- Danach geht alles langsamer und gemütlicher, dann kann man sich mehr um die Helfer kümmern.


Frage: Wie finanziert sich der Aufbau und bekommt ihr noch Unterstützung vom norwegischen Staat oder der Nyksund Stiftung ?

Ssemjon:
Vom Staat gibt es nichts und die Stiftung existiert schon lange nicht mehr.
Im Moment geht alles aus eigener privater Tasche.
Wir haben einen Verein gegründet um zumindest die öffentlichen, wichtigen Gebäude und Gelände finanziert zu bekommen aber noch scheitert das am heimischen Finanzamt.

Frage: Welche Art von Handwerkern könnt ihr besonders gut gebrauchen ?

Ssemjon:
Holzarbeiter wie Zimmermann und Tischler, da das der Hauptwerkstoff ist, aber jeder der meint handwerklich arbeiten zu können ist auch von Nutzen und da wir uns jetzt auch um etwas Werbung kümmern müssen brauchen wir auch Leute mit Sprachkenntnissen und PC Erfahrung.

Zum Urlaub in Nyksund

Frage: Kommen viele Übernachtungsgäste und zu welchen Jahreszeiten ?

Ssemjon:
Hauptzeit sind die Sommermonate von Juni bis ende August, da ist Nyksund meist übervölkert.Dann kommen noch einmal viele zur Jahreswende. Außerhalb dieser Zeit kommen meist nur Norweger zu einem Wochenendausflug.

Frage: Welche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung stehen hier zur Auswahl ?

Ssemjon:

Mit den Künstlern im Ort kann man Kurse z.B. im Aquarell Malen oder Holzschnitzen absprechen.
Im Sommer natürlich die Waltour von Stø, Vogelbeobachtungen, diverse Bootstouren und natürlich Wandern und Angeln.

Frage: In einigen Prospekten und Büchern wird auch von Nyksund über die Möglichkeit zur Walsafari geschrieben, vor Ort hatte ich aber nur
Angebote von Andenes und Stø gesehen gibt es diese Touren noch ?

Ssemjon:

Nein es gibt keine Touren von Nyksund, es kann sich zwar immer zur jeweiligen Saison ändern aber momentan sind die Touren Vergangenheit.

Frage: Fahrt ihr selbst mit dem Boot zum Fischen ?

Ssemjon:

Also ich nicht ich bin Vegetarier, aber jeder der ein Boot hat angelt auch selber.

Frage: Hast Du noch Tips für Leute die auch mit dem Gedanken spielen auszuwandern ?

Ssemjon:

Das Wichtigste ist die Sprache. Gut es versteht hier fast jeder englisch, aber man bleibt ein Außenseiter wenn man nicht bemüht ist die Sprache zu sprechen. Ansonsten, was die Bürokratie angeht, ist vieles wie in Deutschland. Was das tägliche Leben angeht ist einiges hier halt viel lockerer.
Man hat mehr Zeit. Ich habe z.Z. auch einen Job in einer Fabrik in Myre angenommen, auch hier geht es zügig voran, aber man überarbeitet sich bestimmt nicht.

Soweit Informationen mit freundlicher Unterstützung von Ssemjon Gerlitz aus Nyksund.
Ich hoffe demnächst noch mehr Informationen von Kalle zu erhalten und werde diese dann hier auf meinen Seiten veröffentlichen.

September 2001
.